Auszug - Natur- und Artenschutz in öffentlichen Grünanlagen im Ortsteil Hüttigweiler  

Sitzung des Ortsrates Hüttigweiler
TOP: Ö 5
Gremium: Ortsrat Hüttigweiler Beschlussart: ungeändert beschlossen
Datum: Mi, 17.03.2021 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:01 - 20:07 Anlass: Sitzung
Raum: Nebenzimmer der Illtalhalle
Ort:
5.0/138/2021 Natur- und Artenschutz in öffentlichen Grünanlagen im Ortsteil Hüttigweiler
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Sitzungsvorlage
Verfasser:Christiane Nagel/David Johann
Federführend:5 Wirtschaft, Umwelt und Entwicklung Bearbeiter/-in: Hellbrück, Marvin
 
Wortprotokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

 

Der Ausschuss für Umwelt, Planen, Bauen hat in der Sitzung am 25. Februar 2021 ein neues Handlungskonzept für die Pflege der innerörtlichen Grünflächen beschlossen. Hintergrund dieses Handlungskonzeptes ist das dramatische Insektensterben in den letzten Jahren. Gezielte Biotop- und Artenschutzmaßnahmen auf innerörtlichen Wiesen- und Rasenflächen mit Schwerpunkt Insektenschutz sollen dazu beitragen, eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten wie auch zu fördern.

 

Der Vorsitzende teilt mit, dass die Gestaltung von öffentlichen Flächen dem Ortsrat zur Entscheidung vorbehalten sei.

 

Gemeindebeschäftigte Nagel geht in ihrem Beamer-Vortrag zunächst auf das Thema Insektensterben ein. Sie informiert, dass der Rückgang der Insekten in den vergangenen Jahren gravierende Ausmaße angenommen habe, weshalb ein schnelles Gegensteuern notwendig und wichtig sei. Anhand eines Kurzfilmes verdeutlicht sie, dass nach einer Studie der Universität Krefeld in den letzten 25 Jahren der Bestand der Insekten nicht nur deutschland-, sondern weltweit um 75 % zurückgegangen sei. 40 % der Fluginsekten seien sogar vom Aussterben bedroht. Als Ursachen hierfür seien der Klimawandel, Begradigung von Flüssen und einhergehende Lebensraumveränderung in Flussauen und Feuchtgebieten, zunehmende Urbanisierung mit der einhergehenden Flächenversiegelung und der Verlust von Lebensräumen durch Entwaldung zu nennen. Den größten Einfluss habe allerdings die Intensivierung in der Landwirtschaft mit all den negativen Begleiterscheinungen wie Einsatz von Insektiziden, Düngemitteln und der Intensivierung des Grünlandes. Im Zeitraum von 1990 bis 2013 seien zum einen in Deutschland 16 % des Grünlandes verloren gegangen. Zum anderen habe der Anteil an artenreichen, extensiv bewirtschafteten Wiesen, die einen Hauptlebensraum vieler Insektenarten darstellten, stark abgenommen. Das Insektensterben habe nicht nur dramatische Auswirkungen auf den Naturhaushalt, sondern auch auf uns Menschen. 75 % unserer Kulturpflanzen werden von Insekten bestäubt.

 

David Johann, Student am Umweltcampus Birkenfeld und kurzfristiger Gemeindebeschäftigter, erläutert die Vorgehensweise der Verwaltung bei der Erstellung eines insektenfreundlichen Pflegekonzepts für die innerörtlichen Rasen- und Wiesenflächen. Nach einer Bestandsaufnahme wurden die hierfür in Frage kommenden Rasen- und Wiesenflächen zusammengestellt und eine Gesamtfläche von 25.000 m² ermittelt. 4.000 m² davon würden weiterhin vom Baubetriebshof gepflegt, 21.000 m² würden zukünftig an eine Fremdfirma vergeben, die über die nötigen Gerätschaften verfüge, um die Vorgaben an die Pflege erfüllen zu können. Zukünftig sollten die Flächen mit einem Balkenmäher mit einer Schnitthöhe zwischen 10-12 cm gemäht werden. Der Balkenmäher schneide die Pflanzen, was zum einen das Nachwachsen begünstige. Zum anderen würden keine Insekten wie beim Kreiselmäher angesaugt und getötet. Auf den Flächen sollten nur noch 1-2 Mähgänge pro Jahr erfolgen. Durch das schonende Abräumen des Schnittguts würden die Flächen ausgemagert, was wiederum die Artenvielfalt begünstige. Auf größeren Flächen solle zeitlich versetzt gemäht werden, da es wichtig sei, dass auch Altgrasstreifen stehen blieben. Diese dienten den Insekten und Amphibien als Rückzugsorte, wenn der Rest der Fläche gemäht worden sei. Durch die Vergabe an eine Fremdfirma werde der Baubetriebshof entlastet, und es müssen keine Spezialgeräte angeschafft werden.

 

Folgende Flächen seien für Hüttigweiler vorgesehen:

 

  • Auf der Schieß (Spielplatz)
  • Ecke Lindenweg/Ahornweg
  • Kiefernweg

 

Seitens der Verwaltung ergehe zusätzlich der Appell an die Privatleute durch eine naturnahe Umgestaltung der Gärten und Vorgärten einen ergänzenden Beitrag für die heimische Insektenwelt zu leisten.

 

Gemeindebeschäftigte Nagel bittet die Ortsratsmitglieder, weitere Vorschläge für mögliche Flächen an die Verwaltung weiterzugeben. Diese werde dann überprüfen, ob die genannten Flächen für das Projekt in Frage kommen.

 

Der Vorsitzende erklärt, dass die drei vorgeschlagenen Flächen für eine solche Nutzung geeignet seien und schlägt als weitere Fläche die Wiese im Bereich der Lok in der Talstraße vor. Da dort jedoch jährlich das Fest des Bergmannsvereins durchgeführt werde, müsse erst abgewartet werden, ob der Verein aufgrund seiner Altersstruktur nach der Corona-Pandemie noch einmal ein solches Fest ausrichten werde.

 

Auf die Bitte des Vorsitzenden, die direkten Anlieger der geplanten Flächen über das Vorhaben zu informieren, da sonst Beschwerden auftreten würden, dass die Wiesen selten gemäht werden, teilt Gemeindebeschäftigte Nagel mit, dass angedacht sei, Infotafeln bezüglich des Vorhabens an den geplanten Stellen anzubringen. Außerdem werde eine Veröffentlichung in den Illinger Seiten erfolgen.

 

Mitglied Elfriede Groß schlägt vor, auf der bereits genannten Fläche in der Talstraße eventuell auch geeignete Sträucher anzupflanzen. Außerdem käme eventuell die freie Fläche unterhalb der Mühlenpfades in der Au, welche aktuell von einem Bauer gemäht werde, als Blühwiese in Betracht. Als weitere Fläche schlägt sie die aktuell verwilderte Fläche im Bereich des Containerstandortes in der Provinzialstraße vor.

 

Auf den Vorschlag von Mitglied Elfriede Groß den Schulgarten an der Grundschule in das Projekt mit aufzunehmen, gibt Gemeindebeschäftigte Nagel zur Kenntnis, dass man hier eventuell ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Schule durchführen könnte, um den Kindern das Thema näher zu bringen.

 

Der Vorsitzende schlägt zusätzlich zur Sensibilisierung der Kinder die beiden Grünstreifen links und rechts des Fußweges von der Grundschule in Richtung Kirche vor.

 

Auf Nachfrage von Mitglied Anspach-Papa, ob mögliche Hindernisse wie Obstbäume auf Privatgrundstücken einer naturnahen Gestaltung der Wiesen entgegenstehen, teilt Gemeindebeschäftigte Nagel mit, dass dies kein Problem darstelle, da jede Wiese einen Beitrag leisten würde.

 

Auf Nachfrage von Mitglied Heidi Groß, ob die Baumbestattungsfelder auf dem Friedhof eine Möglichkeit für eine Blühwiese darstellen könnten, erklärt Gemeindebeschäftigte Nagel, dass der Friedhof aktuell noch nicht ins Auge gefasst worden sei, da dort die Akzeptanz der Bürger für ein solches Vorhaben geringer sei.

 

Der Vorsitzende informiert, dass aufgrund der ansteigenden Zahl an Feuerbestattungen die Fläche des Friedhofes verkleinert werde und bereits leere Flächen vorhanden seien, die sich für das Projekt anbieten würden.

 


Beschluss:

 

Der Ortsrat stimmt der Umsetzung des Pflegekonzeptes auf den innerörtlichen Grünflächen von Hüttigweiler zu.

 


Abstimmungsergebnis: einstimmig