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Leerstandsmanagement

 

Vorbemerkung

In der Gemeinde Illingen mit dem Hauptort Illingen und fünf Ortsteilen leben derzeit 16.900 Menschen (01.01.2017, HW = Hauptwohnsitz). Sie wohnen in 5.897 Wohngebäuden. Der Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern beträgt 95,7 %. Jeder Mensch bewohnt durchschnittlich 52 Quadratmeter.
In Illingen wohnten noch in den 90er Jahren knapp 19.200 (31.12.1992, HW) Menschen. Heute sind es mehr als zweitausend Menschen weniger. Allerdings stoppt der Abwärtstrend seit 2015 wegen der großen Zunahme von Nichtdeutschen. Die Untersuchungen zur Bevölkerungsentwicklung (demographische Entwicklung) sagen uns, dass der Abwärtstrend innerhalb der deutschen Bevölkerung weiter geht. Sie errechnen, dass wir pro Generation ca. 3.000 Menschen verlieren.

Bevölkerungsentwicklung

In Illingen wohnen heute in
•    670 Häusern ausschließlich Menschen über 70
•    720 Häusern (12,2%) ausschließlich Einzelpersonen, hiervon in -
•    354 Häusern ausschließlich Einzelpersonen über 70
•    den übrigen Häusern im Schnitt 3,5 Menschen.

Von den 5.897 Wohngebäuden standen im Sommer 2016 nur noch 96 Häuser leer. Das ist mit 1,61 % Prozent eine geringe Leerstandsquote. Wenn die Untersuchungen zur Bevölkerungsentwicklung Recht behalten, werden die zukünftig verlorenen 3.000 Menschen 1.000 Häuser nicht mehr bewohnen. Um dieser Aussicht entgegenzuwirken, hat die Gemeinde Illingen im Rahmen des Zuschussprogramms MELanIE des Ministeriums für Umwelt (heute Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr) im Saarland zwischen 2004 und 2011 mehrere Modellprojekte durchgeführt. Hinter MELanIE versteckt sich ein Lindwurm von Begriffen: Modellvorhaben zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch Innerörtliche Entwicklung.

Leerstandsmanagement - Die einzelnen Schritte

Das Illinger Projekt wendet sich dem Thema Umgang mit Leerstand in unseren Dörfern zu. Als Illingen im Jahre 2004 in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt das Thema Leerstand anpackte, war es noch ein Tabu. Begonnen haben wir mit dem Sammeln der Fakten. Wir haben ein Leerstandskataster (das erste im Südwesten Deutschlands) erstellt und mit den Ortsräten beraten, wie wir den Kontakt zu den Eigentümern herstellen und Verbesserungen bewirken können. Das Kataster wird seit 2001 geführt und jährlich aktualisiert. Das erste „MELanIE – Projekt“ (2004) war die Optimierung des o. g. Katasters. Der zweite Schritt (2005) waren Analysen zur Altersstruktur der BewohnerInnen und zur Belegung der Häuser in der gesamten Gemeinde. Als wir wussten, wie alt die Menschen in welchen Häusern sind, erstellten wir Ortskarten mit Angaben zu den Leerständen und den potenziellen Leerständen. Quartiere, in denen große demographische Veränderungen anstehen, wurden auf neue Nutzungsmöglichkeiten hin überprüft. Es haben sich neue Perspektiven und dringender Handlungsbedarf eröffnet: Manche Stellen in den gewachsenen Ortslagen könnten einige neue Häuser vertragen (auch mit Hilfe von Abbruch der alten Substanz), um damit die Belebung anzukurbeln. An anderer Stelle müsste ein Problem mit einem denkmalgeschützten Haus gelöst werden, denn an seinem Verfall leidet die gesamte Straßenecke. (Problem in 2011 gelöst). Ein ganzer Straßenzug mit mehreren langjährigen Leerständen fiel auf, der ohne das Eingreifen der Gemeindeverwaltung nicht zu sanieren wäre.
Der dritte Schritt (2006-2009) war schließlich eine konkrete Aufgabe: die Revitalisierung des oben gefundenen kompletten Straßenzuges. Es wurde eine Lenkungsgruppe eingerichtet, die über sämtliche Schritte wachte und beriet und es wurden konkrete Maßnahmen zur Beseitigung der Leerstände ergriffen. Sie waren mal mühsam, mal ausdauernd, mal spitzfindig, mal unorthodox – und erfolgreich.
Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen, sämtliche langjährigen Leerstände in der Brückenstraße sind beseitigt. Es fehlen nur noch kleinere Vorgartengestaltungen nach Abbruch. Zwei Dutzend Sitzungen der Lenkungsgruppe und mehr als 500 Arbeitsstunden der Bürgerinnen und Bürger (allen voran Arthur Steffgen) sind eine stolze Bilanz. Am 19. März 2010 wurde das Projekt mit der Einweihung des neu entstandenen Platzes und einer fröhlichen Feier abgeschlossen.
Der vierte und der fünfte Schritt (2007 bis 2011) begannen mit einer Studie für ein kommunales Abrissprogramm. Diese wurde Grundlage für ein Zuschussprogramm des Ministeriums für Umwelt für den Abbruch von Häusern. Auch für das Einrichten eines solchen Zuschussprogramms braucht es Modellkommunen, das heißt, Testkommunen, die an der Entwicklung mitarbeiten, bevor das Programm saarlandweit eingeführt werden kann. Das modellhafte Zuschussprogramm wurde im April 2008 eingeführt. Seitdem können HauseigentümerInnen in der Gemeinde Illingen für den Abriss ihres langjährigen Leerstands einen Zuschuss erhalten.
In 2010 wurde ein zusätzliches kommunales Förderprogramm zur Wiedernutzung alter / leerstehender / sanierungsbedürftiger Häuser aufgelegt. Am 31.12.2011 lief die Landesförderung zum Abbruchprogramm aus. Ab 2012 wurden beide Förderprogramme ausschließlich aus kommunalen Mitteln finanziert. Im Zuge des Sparzwangs schrumpften die zur Verfügung gestellten Zuschussmittel von Jahr zu Jahr. In 2017 standen für beide Programme 6.000,00 Euro zur Verfügung.

Förderprogramme

Dokumentationen

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