Sie befinden sich hier: Illingen.de > Kultur und Freizeit > Sehenswürdigkeiten 
 

Das Historische Rathaus

ein Schmuckstück unter den saarländischen Kommunalbauwerken

Das Illinger Rathaus gehört zu den Schönen im Land. Besonders attraktiv wirkt es abends – etwa bei Rathauskonzerten -, wenn helles Saallicht durch die großen Jugendstilfenster fällt. Markante erkerartige Elemente, Balkone, Fachwerk, Jugendstil-Ornamente und der Kontrast zwischen Sandstein und verputztem Obergeschoss prägen ein repräsentatives Gebäude, das seine Entstehungszeit Ende des 19. Jahrhunderts nicht verleugnen kann. Es waren vor allem zwei Baumeister, die hier Akzente gesetzt haben: die Kreisbaumeister Ludwig Israel 1876/77 und Otto Eberbach 1912.

Sehenswert ist der repräsentative Rathaussaal mit den Wappen der sechs Ortsteile. Hier präsidiert der jeweilige Bürgermeister der Großgemeinde (seit 1974 Alfons Senz, Werner Woll, Armin König) und leitet die Sitzungen des 33köpfigen Gemeinderates. Doch finden hier im zentralen Saal des Rathauses nicht nur Gemeinderatssitzungen statt, hier lassen sich auch Brautpaare trauen, und des öfteren greift bei dieser Gelegenheit auch der Bürgermeister selbst in die Tasten des Flügels. Rathauskonzerte, Lesungen, Empfänge für deutsche und internationale Meister (z.B. Europacupsieger, Weltmeisterin) finden hier ebenfalls ihren angemessenen Rahmen.

In 125 Jahren wurde das Haus mehrfach entscheidend verändert, und so ist es kein Wunder, dass mehrere Baustile nebeneinander zu finden sind.

Ältester Teil des Rathauses ist der linke Gebäudeteil, der vor allem durch das Portal mit dem preußischen Adler geprägt ist. Kreisbaumeister Ludwig Israel schuf 1876 einen Bau von wilhelminischer Strenge. Die auflockernden Ornamente sind später erst hinzugekommen.

Nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeigten sich die typischen Entwicklungen jeder Verwaltung: Die Räume reichten nicht aus. So beschloss der Rat einen Umbau des Rathauses zwecks Vermehrung der Büroräume. Jetzt war Otto Eberbach am Zug. Der Baumeister, der viele repräsentative Gebäude im Landkreis gestaltet hat, setzte sich selbst ein Denkmal. Dem strengen wilhelminischen Altbau fügte er im Geist der Zeit einen Anbau hinzu, der stärker auf Ornamente und Verzierungen setzte und mit Fachwerk angereichert wurde. Die Einweihung erfolgte am 6. Dezember 1912.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erfuhr das Rathaus eine Umgestaltung in einem retrospektiven Rustikalstil mit schwerem schmiedeeisernem Kronleuchter und dunklen Paneelen. Die wertvolle Decke wurde im Eiche-Rustikal-Stil übermalt. Es dauerte vier Jahrzehnte bis zu einer erneuten Rundum-Sanierung.

Werner Woll war es, der im Zuge seiner wertvollen denkmalschützerischen Aktivitäten die Sanierung der Sandsteinfassade einleitete. Das war 1973. Ein Jahr später nahm er die Restaurierung des Sitzungssaals sowie die Flurgestaltung in Angriff. Nun gab es Rathauskonzerte im Sitzungssaal, wichtige Vertragsunterzeichnungen in einem Raum, der einer Stadt Ehre macht und eine standesgemäße Möblierung dieses repräsentativen Raumes. Legendären Ruf genießt der Weinkeller, wo edle Tropfen aus dem Elsass und von der saarländischen Obermosel lagern. Er wird vor allem für schwierige Vertragsverhandlungen genutzt.

2001 leitete Wolls Nachfolger Armin König wegen der Vernetzung der Verwaltung und wegen notwendiger Installationsarbeiten einen grundlegender Wandel in der Innenarchitektur des Rathauses ein. Unter Anleitung von Landeskonservator Johann Peter Lüth wurde die historische Bemalung des Sitzungssaales wieder freigelegt. Historisierende Elemente und rustikale Einbauten, die im Laufe der Zeit hinzugekommen waren und den Blick auf das Wesentliche verstellten, mussten weichen. Auch in den Fluren wurden alte Farbkombinationen neu entdeckt. Die größten Veränderungen erfuhr der Sitzungssaal, wo Bürgermeister, Rat und Landeskonservator auf helle Gestaltung Wert legten und den wuchtigen Kronleuchter entfernten, um so den Raumcharakter und die herrlichen Fenster besser zur Geltung zu bringen.

„Wir setzen auf den Kontrast zwischen historisch gewachsener Bausubstanz und funktionalen modernen Elementen“, heißt es im neuen Konzept. Dem Rathaus hat dieser Stilwechsel gut getan.

zurück

Seite drucken