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Bürgermeister informiert: Turbulenzen auf dem europäischen Energiemarkt

Statement von Dr. Armin König


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 

die Turbulenzen auf dem europäischen Energiemarkt schlagen jetzt auch lokal durch und betreffen uns auch in Illingen, Merchweiler und Quierschied. Wir sind endgültig zum Spielball der Mächte geworden. Man mag das beklagen, aber das hilft ja nichts: Wir müssen uns damit auseinandersetzen, weil es uns nun direkt betrifft. Die Montags-Schlagzeile der Saarbrücker Zeitung hat das Thema Gaspreise in den Blickpunkt gerückt. »Verdreifachung der Gaspreise in Illingen« hieß es auf der Titelseite im Regionalteil Neunkirchen. 
Wie ist das einzuschätzen? Ist das realistisch? Hängt das mit dem Weltmarkt zusammen? Wie ist der tatsächliche Betrag? Was zahlen andere? 
Auch wenn der SZ-Bericht überraschend kam, auch für mich und die Gremien, will ich den Fragen nicht ausweichen. Mit dem Thema befassen wir uns schon länger und wir haben bereits Entscheidungen im Sinne der Kunden getroffen, als wir eine neue Gas-Tranche bestellt haben. Hätten wir bis heute gewartet, würden wir einen doppelt so hohen Preis bezahlen. Wir halten nichts vom Zocken und Spekulieren. Auch wenn wir selbst den Turbulenzen ausgeliefert sind, müssen wir bestmöglich und verantwortlich kalkulieren und entscheiden. Sie wissen, dass ich immer klar und sehr offen kommuniziere. Das gilt auch hier. 


1.    Wir wollen im Winter eine Versorgung für alle. Das nennt sich Daseinsvorsorge. Die Entscheidungsträger auf allen Ebenen müssen unter allen Umständen vermeiden, dass das Netz zusammenbricht, Heizungen sich selbst abschalten und viele Menschen in Deutschland frieren. Und da wir keine Insel der Seligen sind, gilt das auch für Illingen. Nach derzeitiger Lage (Füllstände der Gasspeicher) wird das Netz das aushalten. Panik ist fehl am Platze. Vielleicht beruhigt das auch die Märkte. Ungeachtet dessen bleibt die Daseinsvorsorge hier im Land unsere erste und wichtigste Aufgabe. Dafür braucht man aber auch Gas. Ganz physikalisch. Dafür müssen Moleküle durch die Leitungen rauschen. Das Gas muss man einkaufen. Und das ist viel, viel teurer als vor zwei Jahren. Das ist die Realität für alle Versorger. Wir sind am Ball und wollen in dieser Situation das Beste daraus machen.


2.    Wir wollen faire Preise. Die müssen immer über dem Einkaufspreis liegen, damit es keine Insolvenzgefahren gibt. So genannte »politische Preise« scheiden also aus. Wir wollen aber nicht auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher hohe Gewinne machen. Dafür gibt es kommunale Zweckverbände: um die Daseinsvorsorge zu sichern. Also kalkulieren wir mit spitzem Bleistift. Wie und wo können wir Ihnen helfen? - das ist die entscheidende Frage für die Werkleitung und die Aufsichts-Gremien des Gaswerks. 


3.    Wir kommen von einer sehr niedrigen Preisbasis in Illingen. Der Preis wird sich sehr deutlich erhöhen. Eine Verdreifachung ist tatsächlich denkbar. Wir hatten sehr günstig für zwei Jahre im Voraus eingekauft. Da wir Langfristverträge ermöglicht haben, haben wir in der Zwischenzeit anders als andere die Preise nicht nach oben angepasst. Andere haben insbesondere bei der Grundversorgung längst hohe Preise festgesetzt. 


4.    Verivox ruft als Vergleichsportal derzeit Preise von Mitbewerbern auf, die fünf- bis achtmal höher sind als der aktuelle Comfortgas-Garantie-Preis des Gaswerks Illingen. Wir werden also auch nach der Preisanpassung nach jetzigem Diskussionsstand deutlich unter den Preisen dieser Wettbewerber (meist große Konzerne) liegen. Ich weiß, dass dies ein schwacher Trost ist. Wie die Tarife tatsächlich festgesetzt werden, entscheidet nicht der Werkleiter, das entscheidet auch nicht der Bürgermeister als Verbandsvorsteher, das entscheiden die Gremien des Zweckverbands Gaswerk Illingen anhand der äußeren Fixpunkte. Dazu gehören auch neue Umlagen wie die Gasumlage. Die müssen weitergegeben werden. Wer sind die Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden in den Gremien? Es sind alles Menschen aus der Region (Illingen, Merchweiler, Quierschied), die die Sorgen und Nöte der Leute kennen und mitten im Volk stehen.  Das sind die drei Bürgermeister und Gemeinderäte.
Noch ist kein Beschluss gefasst, und es sind die Gremien Verbandsausschuss und Verbandsversammlung, die hier das letzte Wort haben.  Aber auch sie können nicht zaubern. Wie alle Gasversorger kauft auch das Gaswerk Illingen auf dem Gasmarkt, der seit Monaten nur eine Richtung kennt.  Seit dem Einmarsch Russlands und dem von Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine explodieren die Preise. Putin hat uns den Energiekrieg erklärt.  Das hat Folgen. Je knapper das Angebot, desto höher die Preise. Und irgendwann muss ein Stadtwerk für das kommende und das übernächste Jahr einkaufen. Zur Gas-Umlage habe ich eine Petition beim Deutschen Bundestag eingebracht mit dem Ziel, dass diese Umlage vom Bundeshaushalt übernommen wird, weil es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Die Fehler der Vergangenheit kann man nicht den Gaskunden anlasten. Das müssen auch und vor allem die zahlen, die jetzt die großen Gewinne mit Energie machen. Dafür ist das Steuersystem da: um zu steuern. Wir staunen, wenn wir lesen, dass mindestens zwei Energiekonzerne an der Umlage mitgeschrieben haben sollen, so Business-Insider. Aber: Solidarität gilt für alle. Damit sind nicht nur die Gaskunden gemeint. 


Vor der aktuellen Preis-Entscheidung stand das Gaswerk Illingen mit seinem 2-Jahres Garantiepreis von 6,248 Cent pro Kilowattstunde für Comfortgas-Vollversorgung auf einem Spitzenplatz der günstigsten Versorger im Saarland. Wer 30.000 Kilowattstunden verbraucht hat, zahlte etwa 2050 Euro pro Jahr. Schaut man sich im Internet die Preistafeln der regionalen Versorger aus Neunkirchen (für unseren Vergleich: ca. 2.231 Euro) und Saarbrücken (2561 Euro) für die gleiche Menge Gas an, ist unser Tarif sehr kundenfreundlich. Wir haben die Preise so lange wie möglich niedrig gehalten. Das endet aber für die Grundversorgung jetzt und für die Comfortgas-Tarife Ende des Jahres. Dann müssen wir auf der Grundlage der neu eingekauften Mengen die neuen Preise festlegen. Wie gesagt: Als kleiner Versorger sind wir nur ein kleines Rädchen im Getriebe. Aber wir sind näher dran an den Leuten und wollen ihnen die bestmöglichen Angebote machen. 
Was Sie tun können? 


1.    den Verbrauch deutlich einschränken; wer zwanzig Prozent weniger verbraucht als letztes Jahr, kann echt viel einsparen;
2.    Dämmung optimieren;
3.    Heizungen richtig einstellen (lassen); Wartung optimieren.


Was wir als Gemeinde tun in Sachen Energieeffizienz? Wir haben im Ferienausschuss des Gemeinderats eine detaillierte Liste für Energie-Sparmaßnahmen vorgelegt. Nachdem wir schon in der Vergangenheit durch die Umwelt-Audit-Zertifizierung große Fortschritte erzielt haben, wollen wir auch in der Gasmangel-Situation noch weitere Einsparungen erzielen, auch wenn diese schwieriger werden. 

Beispiele der bisherigen Einsparungen: 

  • Erdgasverbrauch beim Bauhof vom 171.000 auf 117.000 KWh. 
  • Erdgasverbrauch im Rathaus von 291.000 auf 226.00 KWh. 
  • Gesamtenergie Rathaus von 348.000 auf 284.000 KWh. 


Zu den neuen Maßnahmen gehören: 

  • Reduktion der Raumtemperatur in den Büros (bis zu 12 Prozent Einsparung)
  • Senkung der Wassertemperatur im Freibad
  • Senkung der Wasser- und Raumlufttemperatur im Hallenbad
  • Spätere Öffnung des Hallenbades, kein paralleler Betrieb  
  • Deutliche Senkung der Temperatur in den Hallen (17 Grad)
  • Deutliche Senkung der Raumtemperatur in nicht arbeits- oder veranstaltungsrelevanten Bereichen (Rathaus, Bauhof etc.)
  • Abschaltung von Beleuchtungen außerhalb der Betriebszeiten.

Ganz wichtig ist das Thema Straßenbeleuchtung in Nachtzeiten. Das müssen wir mit Energis neu verhandeln.  Dort sind noch erhebliche Potenziale. Hinzu kommen weitere Maßnahmen für IT, Elektro, Dämm-Maßnahmen, neue Regelanlagen.... Und die gesetzlichen Vorgaben werden zu weiteren Einsparungen führen.
Nach all den schönen Berichten über den Kunst- und Genussmarkt, die Konzerte, die Freibadsaison und das ehemalige Höll-Gelände gehören auch diese schwierigen Themen zu unseren Themen in Sachen Daseinsvorsorge. Wir wissen, dass das für viele Menschen sehr belastend ist. Darüber kann und muss man diskutieren, auch über die Hintergründe. Aber wir wissen auch, dass Illingen keine Insel ist. Was wichtig ist, ist Solidarität. Und dass man den Menschen reinen Wein einschenkt. 
Für mich sind die zentralen politischen und sozialen Kernpunkte meiner Arbeit – und des Gemeindelebens. 
Ich bin sicher, dass wir das zusammen bewältigen. Wir sitzen in einem Boot. Gemeinsam sind wir stark. 

 

Ihr Bürgermeister Armin König
 

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